Die Wildkatze – geschickter Jäger in einheimischen Wäldern

Wildkatze: Wie die einzelnen Katzenarten untereinander verwandt sind, gibt den Forschern heute noch Rätsel auf. Die meisten Forscher unterstützen jedoch die Theorie, dass der Urahne der Wildkatzen vor 10 – 20000 Jahren lebte. Die Tiere passten sich schließlich ihren spezifischen Lebensräumen an, so dass sich vier verschiedene Arten herauskristallisierten.

Man unterscheidet die Europäische Wildkatze, die Asiatische Wildkatze und zwei Afrikanische Wildkatzenarten. Die Afrikanischen Wildkatzen werden auch als Falbkatzen bezeichnet und gelten als die friedlichste der Wildkatzenarten. Vor einigen tausend Jahren schlossen sie sich bereits den Menschen an. Sie wurde domestiziert und gelangte schließlich auch nach Europa, wo sie noch bis heute Vorfahre aller Hauskatzenarten ist. Die europäische Wildkatze hingegen wurde niemals zum Haustier und lebt auch heute noch in den Wäldern Mitteleuropas in freier Wildbahn.

Vorkommen der europäischen Wildkatze

Wildkatze

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die europäische Wildkatze noch sehr weit verbreitet. Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurde sie jedoch durch die zunehmende Industrialisierung immer weiter verdrängt. Heue findet man diese Katzenart hauptsächlich in ausgedehnter Waldgebieten in Spanien, Frankreichs, Italiens und des Balkans. Auch in Schottland ist die europäische Wildkatze heute noch heimisch. In Deutschland findet man die Tiere in den letzten Jahren vermehrt wieder in Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz vor. Dennoch gelten sie in der Bundesrepublik als stark gefährdete Rasse und in Bayern sind sie sogar vom Aussterben bedroht.

Das führte im Jahr 2009 zu einem Wiederansiedlungsprojekt, das sich besonders den Spessart zum Zielgebiet setzte. Untersuchungen haben gezeigt, dass heute nicht nur im Spessart, sondern auch im Fichtelgebirge und in der Rhön wieder Wildkatzen vorkommen.Strukturreiche Laubmischwälder, in denen Totholz, umfangreiches Wurzelwerk oder Baum- und Steinhöhlen Unterschlupf gewähren, fühlen sich die Wildkatzen heimisch. Lichtungen und Wiesen, die tief im Wald verborgen sind, bieten den Wildkatzen ein ideales Jagdrevier. Hauptsächlich machen die Katzen Jagd auf Mäuse. Sie können aber auch Kaninchen jagen und je nach Nahrungsangebot fressen sie auch Frösche oder kleine Vögel. Nur selten nehmen sie Aas oder pflanzliche Nahrung auf.

Zumeist jagen die Katzen in der Dämmerung und bei Nacht. Zuweilen kann man sie jedoch auch tagsüber im Wald antreffen. Sie sind stets Einzelgänger und jagen auch alleine. Große Wildkatzen wie der Luchs können ebenso wie der Wolf natürliche Feinde sein. Jungtieren können zuweilen auch Marder und Iltis gefährlich werden.

Fortpflanzung der Wildkatzen

Wildkatzen haben in der Regel einen Wurf pro Jahr. Die Hauptranzzeit liegt zwischen Januar und März und die Tragzeit beträgt etwa 68 Tage. Somit kommen die Jungen zwischen Ende März und Anfang Juni zur Welt. Die Katze sucht sich einen geschützten, trockenen Wurfplatz, beispielsweise unter einer großen Wurzel oder in einer kleinen Höhle und bringt durchschnittlich zwischen 3 und 4 Jungen zur Welt. Die jungen Katzen kommen blind zur Welt und werden von der Mutter über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten gesäugt. Schon während dieser Zeit füttert die Mutter die Jungen mit kleinen Beutetieren.

Schließlich nimmt sie die Tiere auch mit zur Jagd, so dass die Jungen bereits mit fünf bis sechs Monaten in der Lage sind, selbständig im Wald zu überleben. Die Pflege der Jungen obliegt ausschließlich dem Muttertier. Im Herbst verlassen die Tiere dann ihre Familie und beginnen damit, ein eigenes Revier zu suchen. Sie erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 10 Monaten und können sich bereits im zweiten Lebensjahr fortpflanzen, wenn sie ein eigenes Revier gefunden haben.
Verliert die Katze ihren ersten Wurf, so kann es im August oft zu einem zweiten Wurf kommen.

Aussehen der Europäischen Wildkatze

Die europäische Wildkatze hat eine ähnliche Größe wie unsere Hauskatze, zeichnet sich jedoch durch einen kräftigeren Körperbau aus. Die Katze wiegt in der Regel um die vier Kilogramm, während der Kater ein Gewicht von 5 Kilogramm erreichen kann. Kennzeichnend für die Europäische Wildkatze ist der sehr buschige Schwanz, der dunkle Ringe aufweist und in einer stumpfen, schwarzen Spitze endet. Die Färbung des Fells ist nicht kontrastreich und wirkt besonders im Winter eher verwaschen. So kann sich die Katze leichter tarnen. Die Behaarung ist länger als bei der Hauskatze und die Wildkatzen zeichnen sich auch durch eine Rückenlinie aus, die als Aalstrich bezeichnet wird. Trotz dieser spezifischen Merkmale ist oft schwer, die Wildkatze von der wildfarbenen Hauskatze zu unterscheiden.

Verwandtschaft mit der Hauskatze

Trotz der großen Ähnlichkeit im Aussehen besteht zwischen der Europäischen Wildkatze und unserer Hauskatze keine Verwandtschaft. Die Hauskatze stammt nämlich nachweisbar von der afrikanischen Falbkatze ab. Die Wildkatze kann sich allerdings mit der Hauskatze paaren. Die daraus entstehenden Jungen werden als Blendlinge bezeichnet. Sie tragen meistens die charakteristischen Züge der Wildkatze. Solche Vermischungen kommen allerdings nur sehr selten vor, da es sich bei den Tieren eben um zwei verschiedene Arten handelt. Die Wildkatze gilt als nicht zähmbar und sollte daher auch nicht in Gefangenschaft gehalten werden. Wer sich für Wildkatzen interessiert, kann jedoch im Bundesgebiet an verschiedenen Orten die Gelegenheit finden, um die Tiere in Naturparks zu beobachten. So kann man mehr über diese interessanten Tiere lernen, die einst in großen Zahlen in unseren Wäldern umherstreiften.

Projekt Wildkatzensprung

Durch Jagd und eine Umwelt, die immer weniger für die Wildkatzen geeignet ist, wurden die Wildkatzen im Laufe der letzten 100 Jahre immer weiter aus Europa bedrängt. Ein großer Teil der Wildkatzen, die heute noch in den Wäldern zu finden sind, leben in Deutschland. Daher fühlt man sich bei uns auch besonders dazu berufen, die Europäische Wildkatze vor dem Aussterben zu bewahren.

Dazu wurde das Projekt Wildkatzensprung ins Leben gerufen, das heute zehn Bundesländer miteinander verbindet. Teil des Projekts ist die Einrichtung von grünen Korridoren, die es den Katzen ermöglichen, von einem Waldgebiet in das andere zu wechseln. Für diese Korridore werden dort Büsche, Sträucher und Bäume angepflanzt, wo landwirtschaftliche Nutzflächen oder Straßen die natürlichen Verbindungswege unterbrochen haben. Dieses und andere Projekte werden hauptsächlich mit der Hilfe von Freiwilligen ausgeführt und können ausgezeichnete Resultate vorweisen. Die Wildkatze in deutschen Wäldern wieder auf dem Vormarsch und kann hoffentlich auch in Zukunft zu den Arten gehören, die unsere einheimische Tierwelt bereichern.

Die Wildkatze – geschickter Jäger in einheimischen Wäldern

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